„Vertrauen gegen allen Anschein ist Hoffnung und Leben“


Amtseinführung von Pfarrerin Annegret Künstel
Eine große erwartungsvolle Gemeinde sowie der Chor der Predigerkirche und der Posaunenchor waren am Sonntag 2. April in der Rottweiler Predigerkirche zusammengekommen, um die neue Pfarrerin Annegret Künstel zu begrüßen, die von Dekan Sebastian Berghaus (Tuttlingen) in einem festlichen Gottesdienst in ihr Amt auf der Pfarrstelle Rottweil-Nord eingesetzt wurde. Sie war bisher im Evangelischen Stift in Tübingen für die Betreuung und Begleitung der Theologie-Studierenden zuständig gewesen und hatte vorher eine Ausbildung in Gemeindearbeit (in Freiberg/N.) und Klinikseelsorge (in Sindelfingen) absolviert

Dekan Berghaus betonte, dass zwar jeder Christ durch die Taufe berufen sei, aber dass es besondere Ämter wie etwa das Pfarrer-Amt brauche, damit das Evangelium in Wort und Sakrament unverfälscht verkündigt werden könne. Die Amtsträger sollten nicht herrschen, sondern der Gemeinde dienen, und diese wiederum solle den Diensten mit Hochachtung und Liebe begegnen. So wurde die neue Gemeindepfarrerin entsprechend der landeskirchlichen Amtsverpflichtung beauftragt, mitzuhelfen, dass das Evangelium von Jesus Christus, wie es in der Heiligen Schrift gegeben und in den Bekenntnissen der Reformation bezeugt ist, aller Welt verkündigt wird . Dazu solle sie „ihren pfarramtlichen Dienst  im Gehorsam gegen Jesus Christus nach der Ordnung unserer Landeskirche tun und das Beichtgeheimnis wahren“. Das Besetzungsgremium der Gemeinde und zwei Zeugen aus dem persönlichen Umfeld bestätigten diese Amtseinsetzung offiziell.

In ihrer Predigt zum vorgegebenen Predigttext über die Versuchung des Abraham stellte sie dar, dass es manchmal gar nicht so einfach ist, an Gott zu glauben, besonders wenn durch Extremsituationen des Lebens gerade die Glaubenshoffnung herausgefordert wird. Schwer verständlich, dass Gott anscheinend ein grausames Spiel mit der Zuversicht der auf ihn Hoffenden spielt, indem er wie bei Abraham die verheißene Zukunft der Nachkommenschaft wieder infrage stellt. Aber zugleich sei es für die Israeliten zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft, in der der Text entstand, geradezu tröstlich gewesen, dass sie zu eben dieser Nachkommenschaft gehörten, und das Vertrauen Abrahams wider allen Anschein sei ein Hoffnungszeichen dafür, dass die Verheißung und das Leben das letzte Wort haben und nicht der Tod.

Im Anschluss an den Gottesdienst wurden der neuen Pfarrerin noch einige Grußworte dargebracht. Dekan Berghaus bewunderte die Aufgeschlossenheit der Rottweiler Gemeinde und die Offenheit für neue Formen der Gemeindearbeit. Dabei bedankte er sich ausdrücklich bei der Kirchengemeinderatsvorsitzenden Eva-Maria Krause für die gute und phantasievolle Kooperation mit dem Kirchenbezirk. Schuldekan Dieter aus Freudenstadt, der bislang stellvertretend den hiesigen Bezirk betreute, betonte die Wichtigkeit des kirchlichen Unterrichts zum Aufbau der Gemeinden. Bernd Garten von der Münstergemeinde überbrachte im Auftrag von Dekan Martin Stöffelmaier die Grüße der katholischen Schwestergemeinde und würdigte das gute ökumenische Miteinander. Oberbürgermeister Ralf Broß  zeigte verschiedene Facetten des Miteinanders von Stadt und Kirche auf, vor allem bei der Kinderbetreuung oder bei kulturellen Anlässen, und nannte als gemeinsames Symbol den sich aufopfernden Pelikan, der in den Kirchen und im Rathaus zu finden ist. Susan Stiegler-Irion von der Caritas freute sich, dass die Ökumene ein wichtiger Beweggrund für die Bewerbung von Annegret Künstel nach Rottweil gewesen sei, denn das gemeinsame diakonische Handeln sei die Basis christlicher Ökumene. Dorothee Kadelbach begrüßte die neue Pfarrerin im Namen des Kinderkirch-Teams. Schließlich zeigten sich die drei anderen Mitglieder des Rottweiler Pfarrer-Teams voller Freude, dass sie jetzt als wieder vollständig gewordene Vierergruppe die Arbeit auf mehr Schultern besser verteilen können, mahnten die neue Kollegin aber auch , sich nicht zu übernehmen, sondern sich Ruhe zu gönnen, zum Beispiel in der ihr überreichten Hängematte.

Nach dem offiziellen Ende der Amtseinführung konnte man noch bei einem Stehempfang in der Kirche einen zwanglosen Gedankenaustausch pflegen.