"Mit Lust und Liebe singen"- Lieder der Reformation

Begleitet von Katrin Lorenz (Flöte), Maximiliane Lorenz (Cello) und Beate Vöhringer  (Orgel) zeigte Kirchenmusikdirektor Johannes Vöhringer bei einem Liederabend zum Sonntag „Kantate“, dem vierten Sonntag der Osterzeit, in der Predigerkirche auf, welche Vielfalt der Kirchenlieder im Umfeld der Reformation und speziell bei Martin Luther entstanden ist.
Schon das Motto „mit Lust und Liebe singen“, entnommen aus dem Lied „Nun freut euch, liebe Christen g`mein“ zeigt die Leidenschaft und die persönliche Tiefe  auf, aus der der Reformator  seine Lieder in Texten und Melodien verfasst hat, damit sie „das Evangelium treiben und in Schwung bringen“. Eine Neuerung bei Luther war, dass vorzugsweise die Gemeinde singen sollte, nachdem vorher der kirchliche Gesang hauptsächlich von Chorgruppen oder Vorsängern  bestimmt war. Zur Ablösung des lateinischen Klangs hat er altkirchliche Gesänge in die deutsche Sprache übertragen (so zum Beispiel den ältesten Hymnus „Nun komm der Heiden Heiland“ oder das früheste Osterlied „Christ ist erstanden“) und es gibt Lutherlieder zum Kirchenjahr (mit Ausnahme von Passionsliedern), aber auch zu Texten des Glaubensbekenntnisses oder zum Vaterunser. Viele dieser Gesänge sind ja aufgrund ihrer geistlichen Tiefe und persönlichen Glaubensweckung auch in das katholische Gesangbuch übernommen worden, wo sie in früheren Ausgaben mit der Quellenangabe „Wittenberg 1524“ versehen wurden. Von den Psalmliedern ist das bekannteste „Ein feste Burg ist unser Gott“, das von Heinrich Heine einst als „Marseillaise der Reformation“ bezeichnet worden war  und auch in vaterländischen Kriegen als Ansporn zum Siegen verwendet worden ist, weil „der altböse Feind uns nichts tut“. Man hat dabei aber nicht beachtet, dass dieses Lied nicht als Kampflied formuliert worden ist, sondern als Trostlied in den ganz persönlichen Erfahrungen, die Luther etwa in der Pestzeit oder in Krankheiten in seiner Familie bestehen musste.
Vöhringer schaffte  es,  durch  verschiedene  Sing-Weisen, durch kanonartige Einsätze und durch die Umgestaltung mancher Rhythmen eine Art Glockenklang im Kirchenraum zu erzeugen, sodass  das auch schon vorreformatorische Anliegen der Kirchenmusik, eine „viva vox evangelii“ zu sein, besonders empfindsam gespürt werden konnte.  Dieses Anliegen ist nicht mit den Liedern Luthers erschöpft gewesen, sondern darüber hinaus von vielen Liederschöpfern weitergeführt worden, z.B. von Elisabeth Creutziger, der ersten Dichterin von Glaubensliedern, oder später von Paul Gerhardt und vielen anderen.  Mit dem gesungenen und der Gemeinde zugesprochenen Abendsegen Luthers  endete ein intensiver Einblick in den wertvollen Glaubensschatz der Lieder der Reformation.