Gastfreundschaft für die historische Marien-Figur weckt viele Begegnungen

Knapp eineinhalb Jahre konnte die Figur der „Madonna von der Augenwende“ aus dem Hl.Kreuz-Münster während der dortigen Restaurierung in der evangelischen Predigerkirche Gastfreundschaft bekommen, aber zugleich auch viele Begegnungen der Menschen und der Kirchengemeinden auf den Weg bringen. Ein ökumenisches Zeichen, das keineswegs selbstverständlich war in der alten Reichsstadt Rottweil, wo man etwa in der Reformations-zeit oder auch später die Andersgläubigen oft nicht gerade freundschaftlich empfangen oder geduldet hat.
Aber „Gast-Sein“ bedeutet immer eine zeitliche Begrenztheit, und da das Münster bald wieder eröffnet werden wird, wurde die Madonna in einer sehr gut besuchten ökumenischen Andacht am Sonntag von ihrem ursprünglichen Platz im Hochaltar der barocken Predigerkirche an ihren seit 200 Jahren gewohnten Platz im gotischen Hl.Kreuz-Münster verabschiedet.
Pfarrerin Gabriele Waldbaur und Dekan Martin Stöffelmaier hatten bewusst die Form einer Taizé-Andacht gewählt. Denn in Taizé, dem kleinen Ort in Burgund, in dem sich vor etwa 70 Jahren eine ökumenische Gemeinschaft  vor allem für Jugendliche ausgestaltet hat, spielen die Unterschiede in den Glaubenstraditionen fast gar keine Rolle, sondern alle gehören zusammen zu einer „Einheit in Verschiedenheit“. Pfarrerin Waldbaur deutete an, dass am Beginn der Überlegungen, ob die Madonnenfigur in der Predigerkirche Platz finden dürfe, vielfältige Bedenken zu hören waren, die sich aber bald nach der Umsiedlung in Gesprächsanregungen umgewandelt hätten, weil die „Madonna“ an ihrem zwischen-zeitlichen Gast-Ort so gut hinpasste, als wäre sie nie irgendwo anders gewesen. Und diese Begegnungen dürften jetzt nicht zu Ende sein. Dekan Stöffelmaier betonte in seiner Ansprache, dass die Christen in die verschiedenen Glaubenstraditionen hineingewurzelt seien und diese nicht einfach über Bord werfen sollten, dass aber nach den biblischen Zeugnissen die Gemeinschaft aller Getauften in Einheit die Grundlage allen Christusglaubens sein müsse.


Und dann ergab sich noch eine Überraschung, die von der versammelten Gemeinde mit Applaus aufgenommen wurde: Der evangelische Kirchengemeinderat hat in der vergangenen Woche beschlossen, nachdem der Kirchengemeinderat von Hl-.Kreuz auch zugestimmt hatte, die Anregung von Gemeindegliedern aufzunehmen und für die Predigerkirche eine Nachbildung der Figur der „Madonna von der Augenwende“ herstellen zu lassen, sofern die dafür erforderlichen Spendengelder zusammenkommen. Aus offiziellen Haushaltsmitteln der Kirchengemeinde  kann dieses ökumenisch bedeutsame Vorhaben nicht finanziert werden.


Wer sich an der Spendenaktion beteiligen möchte, wird gebeten, seine Spende auf das
Konto der Evangelischen Kirchenpflege Rottweil  (IBAN: DE27 6425 0040 0000 1007 73)
mit der Zweckangabe „Madonna“ zu überweisen.