„Wir haben Zeit für die Zeit“

Singspiel des Kinderchors in der Predigerkirche
Eine besondere „Zeit-Ansage“ brachten die Kinder der Kinderchöre in der Predigerkirche in einem Singspiel dar.  Am Sonntag nach dem Erntedankfest zeigten sie der Gottesdienstgemeinde, was man mit der Zeit lernen kann, denn aus dem biblischen Buch des Predigers gibt es die alte Überlieferung, dass alles seine Zeit hat und jede Situation in der zugeordneten Zeit erlebt werden muss, damit alles erlebte auf den Punkt gebracht wird. Vor einer schönen Uhrenkulisse und selbst mit  dekorativen Uhrenbildern ausgestattet,  trugen die Kinder in gereimten Versen vor, dass zwar die Zeit unweigerlich vergeht, aber trotzdem genützt werden kann, und dass es wichtig ist die Füller der Augenblicke zu ergreifen. In seinen Liedern wurde der Kinderchor unter Leitung von Kantor Johannes Vöhringer begleitet von Beate Vöhringer an der Orgel, Monika Nagel-Weitz mit der Querflöte und Elisabeth Vöhringer mit dem  Violoncello. Zur Freude der Zuschauer waren immer wieder auch aktuelle Bezüge eingebaut, so zum Beispiel als das Kind der zur Eile treibenden Mutter entgegenhielt, es müsse „noch schnell einen Turm bauen mit Lego“ – und jeder konnte sich auf das Rottweiler Turmfest am Nachmittag freuen. Auch dass die „Madonna von der Augenwende“ eine begrenzte Zeit in der Predigerkirche hatte, kam zur Sprache – und gute Zuhörer wussten bereits zu diesem Zeitpunkt, dass die Absicht besteht, eine Nachbildung der Madonna für die Predigerkirche anfertigen zu lassen, weil sie in den dortigen Hochaltar  gut hinpasste und sozusagen ihre erste  Heimat wieder gefunden hatte. Pfarrerin Annegret Künstel nahm in ihrer Predigt ebenfalls das Motiv vom Turmbau auf, als in der Frühzeit der biblischen Geschichte der Turm von Babel zum Symbol für menschlichen Hochmut wurde und darüber das große Projekt der Direktverbindung zum Himmel scheitern musste. Aber sie betonte im Einvernehmen mit den Liedern des Kinderchors, dass man dann der Stadt Bestes finden kann, wenn man die eigene Zeit als geschenkte Zeit erlebt. Denn dann  steht nicht das hektische streben nach  herausgehobener Zeit im Vordergrund, sondern das Wahrnehmen einer gefüllten Zeit, die in großen und kleinen Dingen zum Staunen und zur Dankbarkeit einlädt. Von dieser geordneten Zeit aus, so gab die Pfarrerin der Gemeinde mit auf den Weg, könne die Zukunft offen angegangen werden und sei getragen von der Perspektive, dass der Mensch in seiner Zeit einfach menschlich bleiben können.