Die Orgel

Beschreibung der Orgel in der Predigerkirche:
Nach der großen Kirchenrenovation in den Jahren 1970 – 1974 bekam die Predigerkirche auch eine neue Orgel der Firma Peter Vier. Die Orgel wurde am 22. Februar 1976 eingeweiht. Etliche Register konnten noch vom Vorgängerinstrument, einer Weigle- Orgel von ca. 1900 übernommen werden. Im Wesentlichen wurde aber ein komplett neues Instrument von der renommierten Orgelbaufirma Peter Vier aus Oberweier erstellt.
Das Gehäuse wurde in liebevoller Kleinarbeit von einer Spezialfirma restauriert und korrespondiert mit seiner kunstvollen Marmorierung aufs Trefflichste mit dem barocken Kirchenraum.
Auch die Disposition orientiert sich an barocken Vorbildern.  
Die Orgel verfügt über mechanische Spiel- und Registertraktur. Die Zahl der Pfeifen beträgt 2057, davon sind 324 Holz-, 24 Kupfer- und 1709 Zinnpfeifen.
Eine große Besonderheit dieser Orgel sind die Wechselschleifen, mit denen man wahlweise Register aus dem Hauptwerk mittels Halbzug ins Pedal legen kann. Einzelne Register wie die Mixturen, der Sesquialter und die Rauschpfeife haben Vorabzüge, die es einem ermöglichen, mit wenigen Registern eine große klangliche Vielfalt zu erreichen.

Im Jahr 2008 wurde die Orgel von dem Orgelbauer Wolfgang Braun ausgereinigt und überholt.
2013 wurde die Oboe 4` um eine Oktave erweitert, so dass sie jetzt bequem als 8` Zunge angespielt werden kann.
Zusätzlich bekam die Orgel einen Zimbelstern, bestehend aus sechs Schalenglocken.   

Disposition

Die Truhen-Orgel

Seit 1999 besitzt die Kirchengemeinde eine neue Truhenorgel von Orgelbauer Wolfram Stützle, Waldkirch

Das Truhenpositiv der evang. Kirchengemeinde Rottweil ist als Continuo-Instrument und Chororgel konzipiert und hat folgende Disposition:

Klaviaturumfang: C,D, bis f'''

Coppel 8'    aus Fichten- und Ahornholz, das Register ist in Baß und         Diskant geteilt

Principal 8'    ab b; b bis c#' Holz offen, ab d' Metall offen

Flöte 4'    C -f Holz gedeckt, f# - f' Metall rohrgedeckt, ab f#'
    Metall offen

Quint 2 2/3'    ab b, aus Metall

Octav 2'    C - G Holz, ab G# Metall offen

Terz 1 3/5'    ab b, Metall offen


Die einarmige Klaviatur (Oktavmaß 165 mm) besteht aus feinjährigem Fichtenholz, die Untertasten sind mit Buchsbaum belegt, die Obertasten sind aus Zwetschgenholz und haben eine Beinauflage. Die Klaviatur ist um einen Halbton transponierbar auf a = 415 Hz.
In der Bauart und im Klang orientiert sich das Instrument an italienischen Vorbildern; die Pfeifenmensuren sind nach Carlo Prati, einem italienischen Orgelbauer des ausgehenden 17. Jahrhunderts nachempfunden. Der Winddruck ist, gemäß italienischer Tradition, sehr niedrig: 51 mm WS.
Die Stimmung der Pfeifen ist nach Trattato Vallotti (1779 ) mit 6 reinen Quinten. Die Metallpfeifen sind aus einer Zinn-Bleilegierung mit einem Zinnanteil von 28 %.
Die Schleifenwindlade ist aus massiver Eiche mit gezinkten Eckverbindungen.
Die Windversorgung befindet sich im Gehäuseunterbau und besteht aus einem Ventilator und einem Schwimmerbalg.
Das Orgelgehäuse ist aus massivem Kirschbaum und wurde in traditioneller Bauweise gearbeitet. Das Notenpult auf dem Gehäusedeckel ist verstellbar. Die Oberfläche ist geölt und gewachst.
Sämtliche Holzteile wurden mit dem Handhobel verputzt, um eine geschlossene Oberfläche zu erzielen. Es wurde nur langjährig luftgetrocknetes Holz verwendet.
Das Instrument wiegt 160 kg, ist fahrbar und kann zum Transport in Ober- und Unterbau zerlegt werden.
 
Maße:    H x B x T    112,119,79cm
 
Oberteil:    Höhe: 92 cm, Gewicht 112 kg Unterteil:    Höhe: 24 cm, Gewicht 48 kg






"Anweisungen zum Orgelspiel"

Dienstanweisung
 (aus dem Vorwort eines Choralbuches von 1800)
Du spielst hier nicht für dich;
du spielst für die Gemeinde.
Dein Spiel erheb’ ihr Herz,
sei einfach, ernst und reine!
Stets muß der Orgelton
zum Liedesinhalt passen,
drum lies das Lied erst durch,
um seinen Geist zu fassen.
Daß den Gesang dein Spiel
nicht in Verwirrung bringt,
so halte manchmal ein
und spiele, wie man singt.


Das Leben - ein Orgelspiel
Von Jakob Bradl
Ist nit das Leben ein Orgelspiel?
Spielt jeder, als er kann und will
Sein Fuga, auch Thema cum Variation -
Gott gibt einem jeden das Thema schon.
Wird freilich oft Generalbaßlehr‘,
Orgel- und Kontrapunkt manchem schwer,
Sind freilich die viel Kreuz und Be
Im Stück, thuen Herz und Augen weh.
Kommt auch gar mancher aus dem Takt,
Oder ein falsch Register packt,
Oder mitten eins daneben gickst -
Daß ein unrichtig Pfeifen quickst.
Macht nichtes, denn das Lied der Zeit
Stimmt doch ins Halleluja der Ewigkeit.
Wann nur das Glück den Blasbalg treibt,
Daß nit der Schnaufer ganz ausbleibt:
Geb Gott ein gute Melodei,
Daß euer Leben glücklich sei!