Ökumenepreis der ACK 2019

Ökumenepreis der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) 2019:

Gewinner: „Sodener Passion“

 Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) verleiht alle zwei Jahre einen Ökumenepreis. Sie zeichnet damit Projekte und Initiativen aus, die zur Einheit der Christen beitragen und ein gemeinsames Engagement von Christinnen und Christen verschiedener Konfession fördern.

Die Schirmherrschaft des Ökumenepreises 2019 hatte Walter Kardinal Kasper, der ehemalige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.

Preisträger für den Ökumenepreis 2019 ist das Projekt "Sodener Passion". Die Verleihung findet im Rahmen der Mitgliederversammlung der ACK am 18. September 2019 in Augsburg statt.

„Die christlichen Gemeinden in Bad Soden am Taunus gestalten seit 16 Jahren die Passionszeit gemeinsam und nennen ihr Projekt „Sodener Passion“. 

Die Jury für den Ökumenepreis wählte dieses Projekt aus allen Einsendungen aus, weil es „Modellcharakter auch für andere örtliche Gegebenheiten und größere Städte“ haben könnte, so heißt es in der Begründung. Jedes Jahr entscheiden sich die Christinnen und Christen der evangelischen, katholischen und methodistischen Gemeinde in Bad Soden für ein Thema, zu dem die unterschiedlichsten Veranstaltungen stattfinden – von Vorträgen über kulturelle Angebote bis hin zu Filmvorführungen. Ein besonderer Höhepunkt ist der gemeinsam begangene Kreuzweg. Dabei fördere die „Sodener Passion“ in „gelungener Weise die Verbindung von Liturgie und Öffentlichkeit“ und trage so dazu bei, „dass Christen an einem Ort eine besondere Zeit des Kirchenjahres gemeinsam begehen“, so heißt es in der Begründung der Jury. Dass die „Sodener Passion“ mittlerweile auf eine jahrzehntelange Tradition und Kontinuität zurückblicken kann, ist auch dem Engagement der vielen ehrenamtlichen Koordinatoren zu verdanken. Hinzu kommt die jährliche Bildung eines Projektchores, der musikalisch Menschen und Gemeinden in der Passionszeit zusammenführt. Als Zeichen der Verbundenheit wird ein Holzkreuz weitergegeben.

„Jedes Jahr versucht die Sodener Passion unter einem besonderen Thema die Passionszeit neu erfahrbar zu machen“, berichtet Esther Schaller vom ökumenischen Vorbereitungsteam. Weiterhin sei das Ziel den „Blick zu weiten, über den Tellerrand zu schauen, gemeindenahe Personen zu intensiven Passionserfahrungen zu führen, gemeindefremde Menschen neugierig auf christliche Inhalte zu machen, und die Gemeinschaft der Kirchengemeinden in der Ökumene vor Ort lebendig im öffentlichen Raum zu erleben“. Durch die Sodener Passion seien zudem auch andere ökumenische Aktivitäten stärker ins Bewusstsein gerückt.“

(zitiert aus den Informationen der ACK)

Die Idee zu dieser besonderen Gestaltung der Fastenzeit/ Passionszeit ist vorbildlich.  Die relativ gute Übertragbarkeit in andere Gemeinden war sicher ausschlaggebend dafür, dass die „Sodener Passion“ mit dem Ökumenepreis ausgezeichnet worden ist.

Vielleicht fühlen sich auch andere Gemeinden ermutigt, Ähnliches zu versuchen, vielleicht sogar in Rottweil.

Eine der Bewerbungen um den Ökumenepreis kam unter dem Titel

„Rottweiler Madonna von der Augenwende“ auch aus Rottweil

Erläutert wurde das „ökumenische Projekt bzw. die ökumenischen Initiative“ in der Bewerbung folgendermaßen :

„Herstellung einer originalgetreuen Kopie einer Madonnenstatue (um 1500) aus dem Rottweiler katholischen Heilig-Kreuz-Münster für den Hochaltar der evangelischen Predigerkirche in Rottweil.

Diese Statue ist eng mit der Stadtgeschichte verbunden, weil sie in der  Bewahrung der Stadt vor Plünderung und Brandschatzung im 30 jährigen Krieg eine besondere Rolle spielte.

Kurzbeschreibung

Auf Anregungen aus der Evangelischen Kirchengemeinde, aus der Katholischen Kirchengemeinde Heilig- Kreuz und aus Gruppen der Stadt besteht der Beschluss des Evangelischen Kirchengemeinderats und des Katholischen Kirchengemeinderats Heilig-Kreuz, auf Spendenbasis in Verantwortung der Evangelischen Kirchengemeinde eine Kopie der spätgotischen Statue der „Madonna von der Augenwende“  für den Hochaltar der evangelischen Predigerkirche herzustellen.

 

Diese Statue stand bis 1802 im Hochaltar der heutigen evangelischen Predigerkirche, damals Klosterkirche der Dominikaner. Nach der Säkularisation, der Auflösung des Klosters und der Übergabe der Kirche an das Königreich Württemberg kam sie in das katholische Heilig-Kreuz Münster. Die Dominikanerkirche wurde 1806 Evangelische Garnisonskirche und 1818 Evangelische Gemeindekirche für Rottweil.

 

Nach 214 Jahren wurde die Statue während der Renovierung und der dadurch notwendigen Schließung  des Heilig Kreuz Münsters von 05.03.2016 – 24.09.2017 vorübergehend wieder im Hochaltar der Predigerkirche aufgestellt.

Vorausgegangen war eine in der Rottweiler Geschichte erstmalige gemeinsame Sitzung der evangelischen und katholischen Kirchengemeinderats-Gremien und viele Besprechungen und theologischen Diskussionen des Ökumenischen Ausschusses, der Ökumenischen Pastoralkonferenz und weiterer Gremien.

Während die Madonnen-Statue vorübergehend im Hochaltar der evangelischen Predigerkirche stand feierte hier die Katholische Heilig-Kreuz Gemeinde die monatlichen Zunft-Prozessionen mit ökumenischen Marien-Andachten und die feierlichen Abschlussgottesdienste der  Fronleichnamsprozessionen. 

Außerdem fand in dieser Zeit unter dem Titel „Maria bringt uns in Bewegung“ in Kooperation von katholischer und evangelischer Erwachsenenbildung und der Volkshochschule in Kirchen und in öffentlichen Veranstaltungsräumen ein reiches Veranstaltungsprogramm mit Vorträgen und Gesprächsabenden zu ökumenischen Themen statt.

Als Höhepunkt wurde mit Chor-Sängern aus allen Kirchengemeinden in der evangelischen Kirche die Marienvesper von Monteverdi aufgeführt.

 

Nach Abschluss der Renovierungsarbeiten im Heilig Kreuz Münster wurde die Statue  vereinbarungsgemäß wieder im Heilig Kreuz Münster aufgestellt.

Aber während dieser Zeit war in beiden Kirchengemeinden und in der Stadt der Plan entstanden, als Zeichen der versöhnten Verschiedenheit und der ökumenischen Gemeinschaft  für den Hochaltar der Predigerkirche eine Kopie der Statue anfertigen zu lassen.“

 

Der besondere Beitrag des Projekts/der Initiative für die Ökumene in Rottweil

wurde im Folgenden beschrieben:

 

„Rottweil ist die älteste Stadt Baden-Württembergs und hier wurde 1268 vermutlich durch Albertus Magnus der Grundstein gelegt für die Klosterkirche der Dominikaner. Es ist anzunehmen, dass die spätgotische Skulptur der Madonna um 1520 für den Altar der Rottweiler Rosenkranzbruderschaft angeschafft wurde. (s.Marcus Keinath, Die Rottweiler Predigerkirche, 2014, Rottweil)

Mit der Vertreibung von etwa 400 Evangelischen aus der Stadt war die Reformation in Rottweil zum Scheitern gebracht worden, wobei wohl nicht nur theologische Auseinandersetzungen leitend waren, sondern die Sorge um den Verlust des kaiserlichen Hofgerichts und den damit zu befürchtenden  wirtschaftlichen Einbußen für die Stadt.

Im Jahr 1643 wird das „Wunder der Augenwende“ datiert. In einer Situation der Belagerung und zu erwartenden Eroberung der Stadt im dreißigjährigen Krieg soll die Madonnenstatue die Augen gewendet haben. Die verzweifelten Menschen sahen darin ein Zeichen der Gebetserhörung für die Bewahrung der Menschen und der Stadt, die zwar erobert wurde, aber die Occupanten zogen wieder ab ohne geplündert oder gebrandmarkt zu haben.

 

1743, nach der Jahrhundertfeier der „Augenwende“  begann der Umbau und die Barockisierung der Dominikanerkirche, in der die Marienstatue ihren Platz im Hochaltar fand und das Wunder der Augenwende wurde zum tragenden Element für die theologisch-ikonografische Konzeption. (s. Marcus Keinath, Die Rottweiler Predigerkirche 2014)

 

Das Rottweiler Stadtleben ist geprägt von vielen historischen und bis heute gelebten Traditionen, die in der christlichen Kultur verwurzelt sind. ( wie z.B. auch die alemannische Fasnets-Kultur). Gleichzeitig ist aber auch die Offenheit gegenüber moderner Entwicklung in Staat und Kirche zu spüren und zu erleben.

Das ökumenische Miteinander fand  Höhepunkte in der Unterzeichnung einer Rottweiler „Charta Oecumenica“ im Jahre 2006, dem 1. Rottweiler Ökumenischen Kirchentag“ 2014 und dem festlichen Ökumenischen Gottesdienst zum 10 jährigen Jubiläum der „Rottweiler Charta Oecumenica“ 2016.

Die selbstverständliche Gastfreundschaft der Evangelischen Kirchengemeinde für  die Katholiken der Stadt und für die„Madonna von der Augenwende“ während der Renovierung des katholischen Heilig-Kreuz-Münsters in der evangelischen Predigerkirche  waren ein herausragendes und weit über Rottweils Grenzen hinaus wahrgenommenes ökumenisches Ereignis.

 

Dazu schreibt der frühere Rottweiler Stadtarchivar Winfried Hecht in seinem 2018 neu aufgelegten Buch über die Geschichte der Madonnen-Statue unter dem Titel: „Die Schutzfrau von Rottweil versöhnt Konfessionen“:

„….Für Rottweils Katholiken wurde es zuletzt jedoch in einer einstmals nicht vorstellbaren Entwicklung zum großen Ereignis, dass die evangelischen Christen der Stadt dem Gnadenbild von der Augenwende in ihrer Predigerkirche   für die Zeit der letzten Restaurierung des Rottweiler Münsters großzügig und ganz selbstverständlich bis 2017 Zuflucht gewährten…..Vielleicht galt das Lächeln der Madonna 1643 demnach weniger der Rettung der braven Rottweiler vor den grimmigen Franzosen und statt dessen vorausschauend dem wachsenden ökumenischen Verständnis unserer beiden großen christlichen Konfessionen“

(Winfried Hecht, Unsere liebe Frau von der Augenwende in Rottweil 2018  Seite 23)“

(Zitate aus dem Bewerbungsschreiben)

 

Auch wenn der Ökumenepreis nicht nach Rottweil gegangen ist, so bleibt die „Madonna von der Augenwende“ , die zeitweise gastfreundlich in der Predigerkirche aufgenommen wurde und die in einer Nachbildung bald auf dem Hochaltar der Predigerkirche zu sehen sein soll, als ökumenisches Zeichen für Rottweil von wesentlicher Bedeutung.

Spenden fließen derzeit und werden auch noch gebraucht, damit gelingen kann, was beschlossen ist und von vielen mit Vorfreude erwartet wird.

 

Eva-Maria Krause und Veronika Hageloch

 

 

Die Madonna zu Gast in der Predigerkirche

Während das Heilig-Kreuz-Münster renoviert wurde, weilte die Madonna von der Augenwende zeitweise wieder an ihrem alten Platz in der Predigerkirche für 1,5 Jahre. 

 

 

 

Theaterprojekt: Die Madonna von der Augenwende

Die Geschichte der Predigerkirche von Rottweil wurde in einem Volksstück von Felix Huby gezeichnet.

Vorstellung des Stückes und Rollenverteilung am 19. Oktober um 19.30 Uhr im Gemeindehaus Johannterstraße.

Für dieses Theaterstück werden nicht nur viele Spielinteressierte, sondern auch Mitarbeitende bei Technik, Kostümen, Maske u.v.a.m. gesucht.

Das Theaterprojekt wird geleitet von Pfarrerin Gabriele Waldbaur. Intererssierte können sich gerne hier melden: 0741-17500311; pfarramt.Rottweil-Mittedontospamme@gowaway.elkw.de.

 

 

Kopie der Madonna wird erstellt

Der Evang. Kirchengemeinderat hat der Bildhauerein Frau Andrea Wörner aus Schiltach den Zuschlag für die Herstellung der Kopie der Madonna von der Augenwende erteilt.

Vermutlich kann im Jahr 2019 mit den Arbeiten begonnen werden, sobald die nötigen finanziellen Mittel für das Projekt vorhanden sind.